1.400 Euro im Monat: Wo Sie mit Ihrer Rente wirklich stehen
1.400 Euro. Mehr steht einem Fünftel aller Ruheständler über 65 in Deutschland im Monat nicht zur Verfügung. Die Armutsgefährdungsgrenze liegt bei 1.446 Euro. Dazwischen liegen 46 Euro, und diese 46 Euro entscheiden, ob ein Leben offiziell als armutsgefährdet gilt.
Ich ordne diese Zahlen hier ein, ohne sie zu verwässern und ohne sie schlimmer zu machen, als sie sind. Am Ende stehen zwei Dinge, die Sie diese Woche noch erledigen können.
Zuerst die wichtigste Klarstellung
Das Statistische Bundesamt nennt für den Ruhestand ein mittleres Einkommen von 1.990 Euro im Monat, für die Gesamtbevölkerung 2.300 Euro. Das klingt nach einer Rente von 1.990 Euro. Genau das ist es nicht.
Diese Zahl ist das Nettoäquivalenzeinkommen, und das steht auf keinem Rentenbescheid. Es umfasst das gesamte Haushaltseinkommen: die Renten beider Partner, Zinsen, Mieteinnahmen, Betriebsrenten und sogar den rechnerischen Wert des mietfreien Wohnens im eigenen Haus. Diese Summe wird anschließend durch die Haushaltsgröße geteilt, allerdings nicht einfach halbiert.
Ein Beispiel: Ein Ehepaar mit zusammen 2.500 Euro Rente kommt auf ein Äquivalenzeinkommen von rund 1.667 Euro je Kopf.
Für die 1.400 Euro heißt das: Ein Fünftel der Ruheständler erreicht höchstens diesen Wert. Die tatsächliche einzelne Rente liegt bei vielen in dieser Gruppe niedriger.
Die fünf Einkommensschichten
Die Bertelsmann Stiftung teilt Alleinstehende nach dem verfügbaren Einkommen ein:
| Verfügbares Einkommen im Monat | Schicht |
|---|---|
| bis 1.500 Euro | untere Einkommensschicht |
| bis 2.000 Euro | untere Mittelschicht |
| bis 3.000 Euro | mittlere Mittelschicht |
| bis 4.000 Euro | obere Mittelschicht |
| darüber | obere Einkommensschicht |
Bei Familien mit zwei Kindern verdoppeln sich diese Grenzen. Das Institut der deutschen Wirtschaft zieht die Linien anders und lässt die Mittelschicht erst ab 1.850 Euro beginnen, die obere Einkommensschicht ab 5.780 Euro.
Zwei angesehene Institute, zwei verschiedene Grenzen. Das zeigt schon: Eine exakte Linie zwischen den Schichten gibt es nicht.
Wo es unbequem wird
Selbst ein volles Erwerbsleben schützt nicht zuverlässig. Nach einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage im Bundestag liegt die gesetzliche Rente bei Menschen mit mindestens 45 Versicherungsjahren so oft unter der Armutsgefährdungsgrenze:
| Gruppe mit 45 Versicherungsjahren | Anteil unter der Grenze |
|---|---|
| Männer | 23 Prozent |
| Frauen | 52 Prozent |
| Männer in Ostdeutschland | bis zu 41 Prozent |
Bei den Frauen ist es also mehr als jede zweite. Diese Menschen haben getan, was von ihnen verlangt wurde: jahrzehntelang eingezahlt, selten gefehlt. Das fühlt sich unfair an, weil es unfair ist. Die Verantwortung dafür trägt die Politik und nicht Ihre Lebensleistung.
Schritt eins: das Rentenkonto klären lassen
Ein Grund für zu niedrige Renten liegt im eigenen Rentenkonto. Ausbildungszeiten, Kindererziehungszeiten oder Phasen der Arbeitslosigkeit sind nicht immer vollständig gespeichert, besonders bei älteren, noch papierbasierten Meldungen.
Die Kontenklärung nach § 149 SGB VI gilt unabhängig davon, in welcher Schicht Sie stehen:
| Kosten | keine |
| Bedürftigkeitsprüfung | keine |
| Risiko | keines, ein Antrag kann Ihre Rente nicht verschlechtern |
| Frist für den Widerspruch | sechs Monate |
| Bearbeitungsdauer | meist drei bis vier Monate |
Seit Juli 2026 geht das auch online über die Dienste der Rentenversicherung.
Seien Sie dabei ehrlich mit sich: Manche Fenster sind zu. Die Sondernachzahlung für Ausbildungszeiten musste vor dem 45. Geburtstag beantragt werden, für die meisten Leserinnen und Leser ist das lange vorbei. Freiwillige Beiträge für ein abgelaufenes Kalenderjahr sind nach dem 31. März des Folgejahres endgültig verschlossen. Die Kontenklärung selbst ist unbefristet und lohnt in jedem Alter, weil sie prüft, ob wirklich alles erfasst wurde, was Ihnen zusteht.
Wie Sie einen fehlerhaften Bescheid angreifen, steht im Beitrag Rentenbescheid prüfen.
Schritt zwei: Grundsicherung prüfen lassen
Hier geht etwas häufig durcheinander: Unter der Armutsgefährdungsgrenze zu liegen bedeutet nicht automatisch einen Anspruch auf Grundsicherung im Alter.
Der Bedarf setzt sich aus dem Regelsatz von 563 Euro plus Ihrer tatsächlichen Miete und den Heizkosten zusammen. Bei den meisten Alleinstehenden liegt er eher bei 1.000 bis 1.100 Euro und damit spürbar unter der Armutsgefährdungsgrenze. Wer knapp über der Schwelle liegt, hat oft keinen Anspruch.
Genau deshalb der Rat: Lassen Sie es prüfen, unabhängig von Ihrem eigenen Gefühl.
Rund 60 Prozent der Berechtigten stellen laut einer Studie des DIW nie einen Antrag, aus Scham, aus Unwissenheit oder weil sie das Verfahren scheuen. Ende 2025 bezogen bundesweit rund 764.000 Menschen im Alter Grundsicherung, 3,4 Prozent mehr als im Jahr davor. Die Zahl der Berechtigten dürfte deutlich höher liegen.
Das Sozialamt prüft kostenlos und unverbindlich. Sie riskieren dabei nichts.
Falls kein Anspruch besteht, kommen andere Leistungen infrage: Wohngeld für Rentner und die Zuzahlungsbefreiung bei Medikamenten.
Zwei Modellrechnungen zum Einordnen
Herta, Jahrgang 1950, Verkäuferin im Einzelhandel, nach der Familienphase über Jahrzehnte in Teilzeit, zwei Kinder vor 1992 geboren. Rentenbeginn 2015.
Eberhard, Jahrgang 1948, Industriemechaniker im Ruhrgebiet, durchgehend Vollzeit bei einem Arbeitgeber der Metallindustrie. Rentenbeginn 2013.
| Herta | Eberhard | |
|---|---|---|
| Entgeltpunkte | 38 | 50 |
| Bruttorente | 1.616 Euro | 2.126 Euro |
| nach Kranken- und Pflegeversicherung | 1.416 Euro | 1.863 Euro |
| Betriebsrente zusätzlich | keine | rund 200 Euro |
| Einkommensteuer | keine | je nach Situation ein kleiner Betrag |
Der Unterschied beträgt rund 447 Euro im Monat. Beide haben ein Arbeitsleben hinter sich. Durchgehende Vollzeit und ein stabiler Arbeitgeber machen am Ende diesen Abstand aus. Herta liegt mit 1.416 Euro knapp unter der Armutsgefährdungsgrenze.
Das Wichtigste zum Schluss
Eine Zahl wie 1.990 Euro sagt nichts darüber, wie viel Rente Sie persönlich bekommen. Sie beschreibt einen Haushalt im Durchschnitt.
Und 45 Versicherungsjahre schützen nicht automatisch vor Armutsgefährdung, bei Frauen trifft es sogar jede zweite.
Warten Sie nicht darauf, dass sich das System ändert. Lassen Sie Ihr Rentenkonto klären, ganz gleich wo Sie stehen. Und wenn Sie zur untersten Schicht gehören, lassen Sie einen Anspruch auf Grundsicherung prüfen, auch wenn Sie glauben, dass er Ihnen nicht zusteht. Beides kostet Sie nichts außer etwas Zeit.
Stand: 17. August 2026. Die Armutsgefährdungsgrenze von 1.446 Euro ist der jüngste amtliche Wert und bezieht sich auf 2025; für 2026 liegt noch keine amtliche Zahl vor. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden am 17. August 2026 von der Frankfurter Rundschau neu eingeordnet. Herta und Eberhard sind Modellrechnungen mit angenommenen, plausiblen Erwerbsbiografien und keine realen Fälle; gerechnet mit dem Rentenwert von 42,52 Euro. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Rentenberatung. Kostenlose Beratung bietet die Deutsche Rentenversicherung selbst an, die Prüfung eines Grundsicherungsanspruchs das Sozialamt.