Rente mit 63 netto: Von 66.388 Euro Vorsprung bleiben im Beispiel 58.189 Euro, das Aufholen hängt am Familienstand
Wer mit 63 in Rente geht, bekommt vier Jahre lang Geld, während andere bis 67 arbeiten. Im Beispiel dieses Beitrags sind das 66.388 Euro brutto. Nach Kranken- und Pflegeversicherung bleiben 58.189 Euro. Wer wartet, bekommt danach jeden Monat mehr und holt den Vorsprung irgendwann ein. Wann das passiert, verschiebt das Finanzamt: Bei einem Alleinstehenden dauert es gut zwei Jahre länger als bei einem Verheirateten mit genau derselben Rente.
Hier geht es um die Rente mit 63 mit Abschlag, die heute jedem mit 35 Versicherungsjahren offensteht. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren ist ein anderes Thema, ebenso der Kauf des Abschlags. Dazu steht mehr im Beitrag Rentenabschläge ausgleichen: Warum aus 13 Jahren über 22 werden.
Um welche Rente es geht
Gemeint ist die Altersrente für langjährig Versicherte nach Paragraf 36 SGB VI. Sie setzt 35 Versicherungsjahre voraus und kann ab 63 vorzeitig bezogen werden. Für jeden Monat vor der Regelaltersgrenze sinkt die Rente um 0,3 Prozent (Paragraf 77 SGB VI). Wer 1964 geboren ist, hat die Regelaltersgrenze 67. Geht er mit 63, fehlen 48 Monate, der Abschlag beträgt also 14,4 Prozent. Er gilt ein Leben lang.
Diese Rente gilt nach heutigem Recht unverändert. Die Alterssicherungskommission der Bundesregierung empfiehlt in ihrem Bericht vom Juni 2026, das Mindestalter auf 64 anzuheben. Einen Referentenentwurf aus dem Arbeitsministerium gab es bis zur Veröffentlichung des Videos nicht, beschlossen ist nichts. Alle Zahlen in diesem Beitrag folgen dem geltenden Recht.
Gerechnet ist als Modell mit dem heutigen Rentenwert von 42,52 Euro und dem Steuertarif 2026. Rentenerhöhungen und weitere Einkünfte sind nicht berücksichtigt.
Gerald und Bodo: gleiche Rente, anderer Haushalt
Gerald ist Jahrgang 1964, gelernter Koch und später Kantinenleiter. Er lebt allein. Bodo ist ebenfalls Jahrgang 1964, Industriekaufmann in einem Stahlbetrieb und verheiratet. Seine Frau bekommt eine kleine eigene Rente von 600 Euro brutto. Beide Männer haben mit 63 rund 40 Versicherungsjahre, mit 67 wären es 44. Laut Renteninformation bekommen beide mit 67 dieselbe Rente: 1.785,84 Euro im Monat. Gerald, Bodo und Bodos Frau sind erfundene Beispielpersonen.
Der erste Irrtum: 14,4 Prozent von der Renteninformation
Gerald legt seine Renteninformation auf den Tisch, zieht 14,4 Prozent ab und kommt auf gut 1.500 Euro. Das ist zu viel. Die Zahl in der Renteninformation ist eine Hochrechnung bis 67. Sie unterstellt, dass er bis dahin weiter einzahlt. Hört er mit 63 auf, fehlen ihm vier Beitragsjahre. Bei Durchschnittsverdienst sind das vier Rentenpunkte, er hat dann 38 statt 42. Erst auf diese 38 Punkte kommt der Abschlag.
| Rechnung | Monatsrente brutto |
|---|---|
| Geralds eigene Rechnung: 1.785,84 Euro minus 14,4 Prozent | 1.528,68 Euro |
| Richtig: 38 Punkte mal 0,856 mal 42,52 Euro | 1.383,09 Euro |
| Unterschied | 145,59 Euro |
Zur Rente mit 67 fehlen ihm damit 402,75 Euro im Monat. 232,67 Euro davon sind der Abschlag, 170,08 Euro die vier fehlenden Beitragsjahre. Wie Rentenpunkte und Rentenwert zusammenhängen, erklärt der Beitrag Rentenpunkte einfach erklärt.
Der Vorsprung, brutto und netto
Dafür bekommt Gerald 48 Monatsrenten, bevor der andere Weg überhaupt beginnt. 48 mal 1.383,09 Euro sind 66.388 Euro. Das ist sein Vorsprung brutto.
Von der Rente gehen Kranken- und Pflegeversicherung ab, zusammen 12,35 Prozent. Darin stecken 7,3 Prozent allgemeiner Beitrag, die Hälfte des durchschnittlichen Zusatzbeitrags von 2,9 Prozent und 3,6 Prozent Pflegeversicherung. Ein Kinderlosenzuschlag ist nicht angenommen. Bei 1.383,09 Euro sind das 170,81 Euro, es bleiben 1.212,28 Euro im Monat.
Einkommensteuer fällt mit 63 nicht an. Geralds zu versteuerndes Einkommen liegt bei 11.836 Euro und damit knapp unter dem Grundfreibetrag von 12.348 Euro. Eine Steuererklärung muss er trotzdem abgeben. Die Pflicht richtet sich nach dem Gesamtbetrag der Einkünfte, bei dem die Kranken- und Pflegebeiträge noch nicht abgezogen sind. Der liegt bei ihm mit 13.923 Euro über dem Grundfreibetrag. Warum Pflicht und Steuer so auseinanderfallen, zeigt der Beitrag Abgeben müssen oder zahlen müssen.
| Gerald | Bodo | |
|---|---|---|
| Rente mit 63, brutto | 1.383,09 Euro | 1.383,09 Euro |
| Kranken- und Pflegeversicherung | 170,81 Euro | 170,81 Euro |
| Einkommensteuer | 0 Euro | 0 Euro |
| Rente mit 63, netto | 1.212,28 Euro | 1.212,28 Euro |
| Vorsprung nach 48 Monaten, brutto | 66.388 Euro | 66.388 Euro |
| Vorsprung nach 48 Monaten, netto | 58.189 Euro | 58.189 Euro |
Bei Bodo sieht es mit 63 genauso aus. Auch er zahlt keine Einkommensteuer, und sein Vorsprung beträgt ebenfalls 58.189 Euro. Die 8.199 Euro, die vom Bruttovorsprung abgehen, sind in beiden Fällen Kranken- und Pflegeversicherung. Steuer ist darin nicht enthalten.
Ab 67 zeigt sich der Unterschied
Arbeiten beide bis 67, bekommen sie 1.785,84 Euro. Davon nimmt die Kranken- und Pflegeversicherung 220,55 Euro. Jetzt greift bei Gerald das Finanzamt zu. Mit Rentenbeginn 2031 sind 86,5 Prozent seiner Rente steuerpflichtig, sein zu versteuerndes Einkommen liegt bei 15.752 Euro. Das ergibt 582 Euro Einkommensteuer im Jahr, also 48,50 Euro im Monat.
Bodo und seine Frau werden zusammen veranlagt. Das Finanzamt rechnet beide Renten zusammen, und der Grundfreibetrag gilt praktisch doppelt: 24.696 Euro im Jahr. Mit 67 kommt das Paar auf ein zu versteuerndes Einkommen von 20.737 Euro. Die Steuer ist null. Eine Steuererklärung muss das Paar nach diesem Modell nicht abgeben, allerdings nur knapp: Der Gesamtbetrag der Einkünfte liegt 351 Euro unter der Grenze.
| Gerald, allein | Bodo, verheiratet | |
|---|---|---|
| Rente mit 67, brutto | 1.785,84 Euro | 1.785,84 Euro |
| Kranken- und Pflegeversicherung | 220,55 Euro | 220,55 Euro |
| Einkommensteuer im Monat | 48,50 Euro | 0 Euro |
| Rente mit 67, netto | 1.516,79 Euro | 1.565,29 Euro |
| Mehrrente gegenüber der Rente mit 63, brutto | 402,75 Euro | 402,75 Euro |
| Mehrrente netto | 304,51 Euro | 353,01 Euro |
Von 402,75 Euro brutto kommen bei Gerald 304,51 Euro an, bei Bodo 353,01 Euro. Der Unterschied von 48,50 Euro ist genau Geralds Steuer.
Wann das Warten aufholt
Teilt man den Vorsprung durch das monatliche Plus, ergibt sich der Break-even. Das ist der Zeitpunkt nach dem 67. Geburtstag, an dem der Wartende insgesamt so viel Rente bekommen hat wie der Frührentner.
Wichtig ist dabei, welche Rente man für die vier frühen Jahre ansetzt. Der Frührentner hat in diesen 48 Monaten die gekürzte Rente bekommen, also 1.383,09 Euro und nicht 1.785,84 Euro. Rechnet man die frühen Monate mit der höheren Rente, kommt man brutto auf fast 18 Jahre. Das wäre zu lang.
| Vorsprung | Plus im Monat | Break-even nach dem 67. Geburtstag | Alter | |
|---|---|---|---|---|
| brutto, beide | 66.388 Euro | 402,75 Euro | 13 Jahre und 9 Monate | 80 Jahre und 9 Monate |
| Gerald netto | 58.189 Euro | 304,51 Euro | 15 Jahre und 11 Monate | 82 Jahre und 11 Monate |
| Bodo netto | 58.189 Euro | 353,01 Euro | 13 Jahre und 9 Monate | 80 Jahre und 9 Monate |
Bei Gerald schiebt die Steuer den Ausgleich um gut zwei Jahre nach hinten. Bei Bodo verschiebt sie gar nichts, weil er weder mit 63 noch mit 67 Steuer zahlt und die Krankenversicherung beide Wege im gleichen Verhältnis kürzt.
Was die Sterbetafel dazu sagt
Nach der Sterbetafel 2023/2025 des Statistischen Bundesamts erleben 55 von 100 Männern, die 67 geworden sind, das Alter von 82 Jahren und 11 Monaten. Das Alter von 80 Jahren und 9 Monaten erleben 64 von 100. Das sind Durchschnittswerte für eine große Gruppe. Eine Vorhersage für den Einzelnen ist es nicht.
Rechnet man mit dieser Tafel alle Rentenmonate bis zum Lebensende zusammen, liegen bei Gerald beide Wege fast gleichauf. Jeder bringt im Schnitt rund 283.000 Euro netto, das Warten liegt nur rund 300 Euro vorn. Beim Rentengeld ist das für ihn ein Gleichstand. Bei Bodo liegt das Warten im Schnitt um rund 9.400 Euro vorn. Gleiche Rente, gleicher Vorsprung, und doch lohnt sich das Warten für den Verheirateten mehr.
Warum der Trauschein hilft, und wo das endet
Der Vorteil hängt an der Zusammenveranlagung und an der kleinen Rente von Bodos Frau. Steuerfrei bleibt ein Paar wie dieses nach dem Modell bis zu einer gemeinsamen Bruttorente von rund 2.800 bis 2.900 Euro im Monat. Hätte Bodos Frau 1.200 Euro Rente statt 600 Euro, zahlte Bodo mit 67 bereits 168 Euro Steuer im Jahr, und sein Break-even läge bei rund 14,3 Jahren.
Mit jeder Rentenerhöhung rückt die Grenze näher. Der steuerfreie Teil der Rente wird nach dem ersten vollen Rentenjahr als fester Eurobetrag festgeschrieben, jede spätere Erhöhung ist voll steuerpflichtig. Der Grundfreibetrag wird zwar ebenfalls angehoben, für 2027 ist eine Erhöhung auf 12.564 Euro geplant. Beschlossen ist sie noch nicht.
Länger arbeiten heißt mehr Rente versteuern
Ein Punkt in der Rechnung ärgert mich. Wer länger arbeitet, versteuert einen größeren Teil seiner Rente, weil der steuerpflichtige Anteil nach dem Jahr des Rentenbeginns festgelegt wird (Paragraf 22 EStG). Geht Gerald 2027 in Rente, sind 84,5 Prozent steuerpflichtig. Geht er erst 2031, sind es 86,5 Prozent. Bei seiner Rente mit 67 kostet ihn das 85 Euro Steuer im Jahr: 582 Euro statt 497 Euro. Eine Belohnung fürs Durchhalten sieht anders aus. Und die Renteninformation zeigt nur Bruttobeträge, was netto bleibt, rechnet sie Ihnen nicht vor.
Was in der Rechnung fehlt
Rentenerhöhungen sind nicht eingerechnet. Steigen die Renten jedes Jahr, wächst das monatliche Plus des Wartenden mit, und er holt schneller auf. Legt der Frührentner seinen Vorsprung dagegen verzinst an, dauert es länger. Gleich hohe Sätze heben sich ungefähr auf.
Kirchensteuer ist ebenfalls nicht enthalten. Bei 9 Prozent kämen bei Gerald mit 67 rund 52 Euro im Jahr hinzu, sein Netto-Plus sänke auf etwa 300 Euro, und der Break-even rückte um rund drei Monate nach hinten.
Am meisten wiegt der Lohn der vier Jahre bis 67, der in keiner dieser Zahlen steht. Bei Durchschnittsverdienst bringt er Gerald rund 134.000 Euro netto, mehr als das Doppelte seines Vorsprungs. Abzüglich des Vorsprungs hat Gerald mit 67 rund 76.000 Euro mehr und danach dauerhaft die höhere Rente. So viel kosten ihn vier freie Jahre. Was Ihnen ein freier Morgen mit 63 wert ist, kann keine Rechnung beantworten.
Was Sie vor dem Rentenantrag prüfen
- Die Rente in Ihrer Renteninformation ist bis 67 hochgerechnet. Lassen Sie sich bei der Deutschen Rentenversicherung die Rente für einen Beginn mit 63 ausrechnen und legen Sie beide Beträge nebeneinander.
- Zählen Sie Ihre Versicherungsjahre. Wer ab Jahrgang 1964 vor 67 auf 45 Jahre kommt, kann ohne Abschlag gehen, frühestens mit 65 (Paragraf 38 SGB VI). Nicht jede Zeit zählt dafür mit. Ist eine Altersrente einmal bindend bewilligt, ist der Wechsel in eine andere Altersrente ausgeschlossen (Paragraf 34 Absatz 2 SGB VI).
- Prüfen Sie Steuer und Erklärungspflicht für Ihren Haushalt. Allein lebend mit Rentenbeginn 2027 müssen Sie nach diesem Modell ab rund 1.228 Euro Bruttorente im Monat eine Erklärung abgeben. Steuer fällt erst ab 1.443 Euro an, sofern keine weiteren Einkünfte dazukommen.
- Sind Sie verheiratet, denken Sie an Ihren Partner. Der Abschlag gilt auch für eine spätere Witwen- oder Witwerrente, die aus Ihrer Rente berechnet wird (Paragraf 77 Absatz 3 SGB VI).
Mit Betriebsrente, Mieteinnahmen oder einem Partner mit höherer Rente sehen die Zahlen schnell anders aus. Für die Steuerseite hilft dann ein Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein.
Die Rechnung gehört schwarz auf weiß auf den Tisch
Der Vorsprung der Rente mit 63 ist echt, im Beispiel sind es 58.189 Euro netto. Wie lange er hält, hängt in diesen Fällen am Familienstand: allein fast 16 Jahre über den 67. Geburtstag hinaus, verheiratet knapp 14. Über den Rentenbeginn entscheidet damit ein Steuerrecht mit, das kaum jemand durchschaut. Wer 40 Jahre eingezahlt hat, verdient diese Rechnung vor dem Antrag schwarz auf weiß. Holen Sie Ihre Renteninformation aus dem Ordner und rechnen Sie mit den Punkten, die Sie mit 63 tatsächlich haben.
Stand: 25. Oktober 2026. Rechtsgrundlagen sind die Paragrafen 34, 35, 36, 38 und 77 SGB VI, die Paragrafen 9a, 10, 10c, 22 und 32a EStG sowie Paragraf 56 EStDV. Die Wahrscheinlichkeiten stammen aus der Sterbetafel 2023/2025 des Statistischen Bundesamts (Männer, erschienen am 7. Juli 2026). Verfahrensstand: Die Alterssicherungskommission empfiehlt ein Mindestalter von 64 für die Rente für langjährig Versicherte, ein Referentenentwurf lag bis zur Veröffentlichung nicht vor. Gerald, Bodo und Bodos Frau sind erfundene Personen. Die Rechnung nimmt an: Jahrgang 1964 mit Rentenbeginn am 1. Januar 2027 (mit 63) oder 2031 (mit 67), 38 Rentenpunkte mit 63 und 42 mit 67, Rentenwert 42,52 Euro ohne künftige Rentenerhöhungen, Besteuerungsanteil 84,5 Prozent (Beginn 2027) und 86,5 Prozent (Beginn 2031), Einkommensteuertarif 2026 für alle Jahre, Kranken- und Pflegeversicherung 12,35 Prozent mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent und ohne Kinderlosenzuschlag, Werbungskosten-Pauschbetrag 102 Euro je Rentner, Sonderausgaben-Pauschbetrag 36 Euro (Paar 72 Euro), Bodos Frau mit 600 Euro Rente seit 2025 (Besteuerungsanteil 83,5 Prozent), keine weiteren Einkünfte, keine Kirchensteuer, kein Zins auf den Vorsprung. Lohn der vier Jahre: 51.944 Euro brutto im Jahr, Steuerklasse I. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.