Tabaksteuer beschlossen, Zuckersteuer geplant: Was Rentner ab 2027 an der Kasse zahlen
Wer mit seiner Rente unter dem Grundfreibetrag bleibt, zahlt keine Einkommensteuer. Ab 2027 zahlt er trotzdem mehr Steuern, und zwar beim Einkaufen. Der Bundestag hat am 15. Oktober 2026 eine höhere Tabaksteuer beschlossen. Für Schnaps, Sekt und süße Getränke liegen weitere Pläne auf dem Tisch. Auf jede dieser Steuern rechnet der Staat außerdem noch Umsatzsteuer auf.
Dieser Beitrag ordnet ein, welche der vier Steuern beschlossen ist und welche nur geplant. Er rechnet an einem erfundenen Rentner aus Bremerhaven nach, was das an der Kasse kostet, auch wenn man gar nicht raucht.
Der Überblick: vier Steuern, vier verschiedene Stände
| Steuer | Stand am 20. Oktober 2026 | Start |
|---|---|---|
| Tabak | vom Bundestag beschlossen, Bundesrat hat es passieren lassen, Verkündung steht aus | 1. Januar 2027, Zigarren und Pfeifentabak 1. März 2027 |
| Schnaps, Sekt, Portwein, Alkopops | Gesetzentwurf im Bundestag, nicht beschlossen | geplant 1. Januar 2027 |
| süße Getränke | Kabinett hat eine Formulierungshilfe auf den Weg gebracht, Bundestag hat nicht beschlossen | geplant 1. Juli 2027 |
| Plastikverpackungen | vom Kabinett vertagt | offen |
Edmund liest Zeitung
Edmund ist 73 und hat 44 Jahre auf einer Werft in Bremerhaven Stahlplatten geschweißt. Mit dem Rauchen hat er vor 30 Jahren aufgehört, Einkommensteuer zahlt er mit seiner Rente keine. Abends trinkt er ein Glas Schnaps, eine Flasche reicht ihm einen Monat. Zum Mittagessen gibt es Cola, eine 1,5-Liter-Flasche in der Woche. Edmund ist eine erfundene Beispielperson.
Am Sonntagmorgen liest er, dass die Tabaksteuer beschlossen ist, und legt die Zeitung weg: Betrifft mich nicht. Ganz so einfach ist es nicht.
Wer diese Steuern bezahlt
Tabaksteuer, Alkoholsteuer und die geplante Zuckersteuer sind Verbrauchsteuern. Abführen müssen sie formal die Hersteller, Importeure oder der Großhandel. Die rechnen sie in den Preis ein, und an der Kasse bezahlt sie jeder, der das Produkt kauft. Ob jemand Einkommensteuer zahlt, ist dafür gleichgültig. Der Grundfreibetrag von 12.348 Euro im Jahr 2026 gilt nur bei der Einkommensteuer. Eine Steuererklärung holt dieses Geld nicht zurück.
Dazu kommt die Umsatzsteuer. Sie wird auf den Preis einschließlich der Verbrauchsteuer berechnet (Paragraf 10 Absatz 1 und Paragraf 12 Absatz 1 Umsatzsteuergesetz). Geben Hersteller und Handel eine Steuererhöhung voll weiter, kostet jeder Euro mehr Verbrauchsteuer an der Kasse 1,19 Euro. Der Staat kassiert also zweimal.
Warum die Mehrheit der Rentnerinnen und Rentner keine Einkommensteuer zahlt und was die geplante Anhebung des Grundfreibetrags daran ändert, steht im Beitrag Zehn Milliarden Euro Entlastung: Warum der Steuerzahlerbund von einer Farce spricht.
Tabak: beschlossen, in vier Stufen bis 2030
Die Tabaksteuer ist am weitesten. Der Bundestag hat das Gesetz zur Änderung des Tabaksteuergesetzes am 15. Oktober 2026 mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD beschlossen. Am 16. Oktober hat der Bundesrat es passieren lassen. Es fehlen nur noch Ausfertigung und Verkündung im Bundesgesetzblatt.
Bei Zigaretten steigt die Steuer viermal, jeweils am 1. Januar von 2027 bis 2030, die Sätze stehen in der Tabelle unten. Tabak zum Selbstdrehen und Liquids für E-Zigaretten werden ebenfalls teurer. Für Zigarren, Zigarillos und Pfeifentabak gilt die erste Stufe erst ab 1. März 2027.
Eine Schachtel mit 20 Zigaretten kostet derzeit im Durchschnitt rund 8,05 Euro, Markenzigaretten liegen darüber. Einen amtlichen Packungspreis für die beschlossenen Sätze gibt es nicht. Modellrechnungen, die dem Verfahren des Bundesfinanzministeriums folgen, kommen auf diese Werte:
| Jahr | Steuer je Zigarette | Modellpreis je Schachtel | Mehrkosten bei einer Schachtel am Tag |
|---|---|---|---|
| 2026 | 12,28 Cent plus 19,84 % | 8,05 Euro | |
| 2027 | 14,34 Cent plus 21,05 % | rund 9,20 Euro | rund 420 Euro |
| 2028 | 15,63 Cent plus 21,05 % | rund 10,03 Euro | rund 720 Euro |
| 2029 | 17,04 Cent plus 21,05 % | rund 10,93 Euro | rund 1.050 Euro |
| 2030 | 18,57 Cent plus 21,05 % | rund 11,92 Euro | rund 1.410 Euro |
Auch der Bundesrat rechnet für 2030 mit etwa 12 Euro. Die Deutsche Presse-Agentur nennt etwas niedrigere Werte, 9,10 Euro für 2027 und 11,78 Euro für 2030. Dann lägen die Mehrkosten 2027 bei rund 380 Euro. Die erste Schätzung aus dem Sommer lag bei 8,77 Euro für 2027, danach hat der Bundestag die Sätze noch einmal angehoben.
Zwei Bedingungen stecken in diesen Modellpreisen. Sie setzen voraus, dass die Steuer voll weitergegeben wird. Und sie rechnen einen allgemeinen Preisanstieg der Hersteller mit ein. Von den rund 1.410 Euro Mehrkosten im Jahr 2030 sind rechnerisch rund 1.020 Euro höhere Steuer, rund 390 Euro der unterstellte Preisanstieg. Den Preis im Laden legen am Ende die Hersteller fest.
Von 9,20 Euro gehen im Modell 2027 rund 4,80 Euro Tabaksteuer und 1,47 Euro Umsatzsteuer an den Staat, zusammen 6,27 Euro oder 68 Prozent. Wer jeden Tag eine Schachtel raucht, zahlt im Modell 2027 rund 35 Euro im Monat mehr, 2030 knapp 118 Euro.
Diese Summen treffen nur einen kleinen Teil der Älteren. Nach dem Mikrozensus 2025 des Statistischen Bundesamts raucht von den Menschen ab 65 etwa jeder Neunte, zumindest gelegentlich. Zwischen 55 und 64 ist es gut jeder Fünfte.
Erst der Haushalt, dann die Gesundheit
Im Bericht des Finanzausschusses (Bundestagsdrucksache 21/8605) steht als erster Grund die Lage des Bundeshaushalts. Der Gesundheitsschutz kommt danach. Das Geld fließt in den allgemeinen Haushalt, eine Zweckbindung gibt es nicht. Für 2027 rechnet der Ausschuss mit rund 1,5 Milliarden Euro Mehreinnahmen, für 2030 mit knapp 4,5 Milliarden Euro.
Schnaps und Sekt: 20 Prozent mehr geplant
Die Bundesregierung will die Steuer auf Spirituosen um 20 Prozent anheben, von 1.303 auf 1.564 Euro je Hektoliter reinen Alkohols. Genauso sollen die Sätze für Sekt, Portwein, Sherry und Alkopops steigen. Bier und Wein bleiben unberührt. Geplanter Start ist der 1. Januar 2027.
Beschlossen ist davon nichts. Die Erhöhung steht im Entwurf des Haushaltsbegleitgesetzes 2027 (Bundestagsdrucksache 21/7860), den der Bundestag am 8. September in erster Lesung beraten hat. Der Finanzausschuss hört am 9. November 2026 Sachverständige zu den Steuerteilen an. Wann der Bundestag abstimmt, steht noch nicht fest. Im selben Gesetzentwurf geht es auch um den Bundeszuschuss zur Rentenversicherung, dazu mehr im Beitrag Haushalt 2027: Weniger Bundeszuschuss für die Rente, stabile Beiträge versprochen.
Wird die Erhöhung voll weitergegeben, kostet eine Flasche Schnaps mit 0,7 Litern und 40 Prozent rund 87 Cent mehr. Die Flasche enthält 0,28 Liter reinen Alkohol, mal 2,61 Euro mehr Steuer je Liter ergibt das 73 Cent, mit Umsatzsteuer 87 Cent. Eine Flasche Sekt mit 0,75 Litern wird rund 24 Cent teurer.
Cola: geplant ab Juli 2027
Bei der Zuckersteuer ist noch mehr offen. Das Bundeskabinett hat sie am 14. Oktober 2026 auf den Weg gebracht, als sogenannte Formulierungshilfe. Die Regierung liefert damit den Gesetzestext, einbringen müssen ihn die Koalitionsfraktionen, beschließen muss der Bundestag. Das ist noch nicht geschehen. Laut Handelsblatt wollten am 14. Oktober mehr als 20 Unionsabgeordnete nicht zustimmen.
Nach dem Entwurf sollen ab 1. Juli 2027 je Liter 26 Cent anfallen, wenn ein Getränk mindestens 5 Gramm Zucker je 100 Milliliter enthält. Ab 8 Gramm sollen es 32 Cent sein. Eine normale Cola liegt darüber. Bei voller Weitergabe würde die 1,5-Liter-Flasche Cola rund 57 Cent teurer, eine 1,5-Liter-Flasche Orangenlimonade unter 8 Gramm rund 46 Cent.
Betroffen wären Limonaden, Eistee, Energydrinks, gesüßte Schorlen und Fruchtnektar.
Die Regierung sagt, das Geld solle die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung stabil halten. Das betrifft Rentner direkt: Auf die gesetzliche Rente zahlen Sie die Hälfte des Kassenbeitrags samt halbem Zusatzbeitrag selbst, auf Betriebsrenten den vollen Beitrag. Eine feste gesetzliche Bindung des Geldes an die Krankenkassen ist bisher nicht bekannt. Wie stark sich das auf Ihren Beitrag auswirken würde, hat niemand beziffert. Wie Sie eine Erhöhung des Zusatzbeitrags erkennen, auch ohne Brief der Kasse, beschreibt der Beitrag Zusatzbeitrag erhöht ohne Brief: Was Rentner seit Juli 2026 selbst prüfen müssen.
Plastik: vorerst auf Eis
Die vierte Steuer sollte Plastikverpackungen treffen. Das Kabinett hat das Kunststoffverpackungsteuergesetz am 14. Oktober 2026 vertagt, nach Widerstand aus der Unionsfraktion. Ob es in anderer Form zurückkommt, ist offen.
Edmunds Rechnung
Kommt alles wie geplant und wird alles voll weitergegeben, sieht Edmunds Jahr so aus:
| Posten | 2027 | ab 2028 |
|---|---|---|
| Schnaps, 12 Flaschen mal 87 Cent | rund 10 Euro | rund 10 Euro |
| Cola, 1,5 Liter in der Woche mal 57 Cent | rund 15 Euro (Juli bis Dezember) | rund 30 Euro |
| zusammen | rund 25 Euro | rund 40 Euro |
Gerechnet ist 12 mal 0,87 Euro gleich 10,44 Euro, 26 Wochen mal 0,57 Euro gleich 14,85 Euro und 52 Wochen mal 0,57 Euro gleich 29,70 Euro. Für Edmund bleibt es bei Kleingeld.
Dann ruft sein jüngerer Bruder an, der seit der Lehre eine Schachtel am Tag raucht. Für ihn sind es im Modell 2027 rund 420 Euro mehr, 2030 rund 1.410 Euro im Jahr. Edmund ärgert dabei etwas anderes: Von den 87 Cent für die Flasche Schnaps sind rund 14 Cent Umsatzsteuer auf die Steuererhöhung.
Was Sie legal tun können
Bei der Zuckersteuer ist der Ausweg einfach, falls sie kommt: Light- und Zero-Getränke, reine Säfte, ungesüßte Schorlen und Milch bleiben nach dem Entwurf steuerfrei.
Für Raucher gibt es nach Angaben des Bundesfinanzministeriums keine Abverkaufsfrist. Schachteln, die noch zum alten Satz versteuert sind, dürfen auch nach dem 1. Januar 2027 verkauft werden. Ob ein Händler dann noch alte Ware zum alten Preis hat, entscheidet er. Ein Vorrat für den eigenen Bedarf ist erlaubt. Eine Stange mit zehn Schachteln spart im Modell allerdings nur rund 11,50 Euro.
Im Urlaub in einem anderen EU-Land gelten für den eigenen Bedarf Richtmengen, zum Beispiel 800 Zigaretten, 10 Liter Spirituosen, 20 Liter Portwein oder Sherry und 60 Liter Sekt. Die Ware muss dort versteuert gekauft sein, und Sie müssen sie selbst mitbringen. Was Sie für Bekannte mitkaufen, zählt nicht als eigener Bedarf, auch wenn Sie es verschenken. Wer bei einer Kontrolle Ware verschweigt, riskiert ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung.
Bei Schnaps und Cola ergeben Vorratskäufe wenig Sinn. Beide Steuern sind nicht beschlossen, und die Cola würde frühestens im Juli 2027 teurer.
Steuer auf die Steuer
Der Grundfreibetrag schützt die Rente vor dem Finanzamt, vor der Kasse schützt er nicht. Für die meisten Rentnerinnen und Rentner bleibt es 2027 bei Kleingeld, für Raucher geht es um Hunderte Euro im Jahr. Mich stört vor allem, dass der Staat sich sein Geld dort holt, wo es am wenigsten auffällt: beim Einkauf, ohne Bescheid und ohne Widerspruch. Ich finde, wer an der Kasse Verbrauchsteuern kassiert, sollte wenigstens auf die Umsatzsteuer auf die eigene Steuer verzichten. Und falls die Zuckersteuer kommt, gehört das Geld fest zu den Krankenkassen.
An einer anderen Rechnung können Sie selbst etwas ändern. Läuft Ihre Kfz-Versicherung wie das Kalenderjahr, muss eine Kündigung bis Montag, 30. November 2026, beim Versicherer angekommen sein. Wie Sie den Alterszuschlag auf der Rechnung erkennen, steht im Beitrag Kfz-Versicherung ab 65: So prüfen Sie den Alterszuschlag, bevor am 30. November die Frist endet.
Stand: 20. Oktober 2026. Tabaksteuer: Gesetz zur Änderung des Tabaksteuergesetzes, Regierungsentwurf Bundestagsdrucksache 21/7859, Beschlussempfehlung des Finanzausschusses 21/8605, Beschluss des Bundestags am 15. Oktober 2026, Bundesrat am 16. Oktober 2026 (1069. Sitzung). Ausfertigung und Verkündung im Bundesgesetzblatt standen bei Redaktionsschluss nach unserer Prüfung noch aus. Alkoholsteuer: Entwurf des Haushaltsbegleitgesetzes 2027, Bundestagsdrucksache 21/7860, nicht beschlossen, Anhörung im Finanzausschuss am 9. November 2026. Zuckersteuer: Formulierungshilfe des Bundeskabinetts vom 14. Oktober 2026 nach Mitteilung des Bundesfinanzministeriums, vom Bundestag nicht beschlossen, Inhalt und Start können sich noch ändern. Plastiksteuer: am 14. Oktober 2026 vom Kabinett vertagt. Der Durchschnittspreis von 8,05 Euro stammt vom Bundesfinanzministerium, die Modellpreise 9,20 bis 11,92 Euro sind Modellrechnungen nach dem Verfahren des Ministeriums, amtliche Packungspreise für die beschlossenen Sätze gibt es nicht; sie setzen volle Weitergabe der Steuer voraus und enthalten einen allgemeinen Preisanstieg. Die Mehrkosten für Raucher gelten für eine Schachtel an 365 Tagen gegenüber 8,05 Euro. Alle Rechnungen zu Schnaps, Sekt, Portwein und Cola setzen volle Weitergabe samt 19 Prozent Umsatzsteuer voraus. Raucheranteile nach Mikrozensus 2025 (Erstergebnisse), Richtmengen nach Zoll und Bundesfinanzministerium. Edmund und sein Bruder sind erfundene Personen. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.